Die ersten Kilometer

Gewicht ist alles. Gewicht ist Trumpf. Auf meinen ersten Kilometern gibt es kaum Steigungen und daher stört mich das hohe Gewicht meines Gepäcks nicht, doch in Erahnung der mächtigen Steigungen in den Alpen, des Balkans, des Kaukasus´ und all der dazwischen, wird mir unwohl. Mein Fahrrad wiegt um die 50 Kilogramm und das größte Einsparpotential sehe ich in Schlafunterlage und Schlafsack. In München habe ich mich am Montag um diese beiden “Problemkinder” gekümmert und sie in leichterer Ausführung neu gekauft. Kein leichter Schritt, da ich Konsum minimieren möchte, doch in diesem Fall einfach sinnvoll. Ich konnte nun 2000g einsparen. Werde ich den Unterschied spüren?

rechts alt und schwer
links neu und leicht

Doch wie waren nun die ersten vier Tage auf Fahrradfernreise?

Sie waren untypisch. Mein Zelt habe ich nicht gebraucht. Ich musste nicht navigieren. Und die Sonne hat durchgehend geschienen (Für mich Norddeutschen echt ungewöhnlich). Doch wie kam es? Die ersten zwei Tage nach München wurde ich wie beschrieben von der 70-jährigen Maria begleitet. Wir hatten eine schöne, entspannte Zeit, haben viel geredet, haben uns trotz ihrer guten Ortskenntnisse ein paarmal verfahren – was aber auch an meiner Passivität lag. Das Radeln mit meinem ungewohnt schweren Rad ging erstaunlich gut. Doch ehrlich gesagt bin ich froh gewesen, dass ich keinen Tour-de-France-Fahrer als Begleitung hatte und die “Steigungen” alle human waren.

Wir kamen nach 81,7 km Abends um 18 Uhr in Oberschleißheim bei unseren ADFC Dachgebern an und konnten uns mit mehreren Croissants den Bauch voll schlagen. Vielen Dank Euch, auch für das gute Frühstück!

Am nächsten Tag hat Maria mich bald verlassen, sie nimmt den Zug zurück. Beim Olympischen Dorf verabschiede ich meine erste Reisepartnerin. Danke für deine Begleitung, Maria! Es ist übrigens voll in Ordnung, dass wir ein paar Mal einen Umweg genommen haben.

Daraufhin besuche ich das Streetlife-Straßenfest auf der Luitpoldstraße und mache mich dann auf den Weg zu Samuel, bei dem ich das 16-Wöchige Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung abschließe. Er selbst ist 2015 auf eine Radreise nach Thailand aufgebrochen, hat eine sehr erfolgreiche Youtube-Reportage gedreht (Am nächsten Tag haben wir einen Fan getroffen.) und er hat mir in der Vergangenheit viele Tipps geben können. Hier sein letztes Video – gebündeltes Wissen zum richtigen Reiserad.

Die nächsten zwei Tage fahren wir – Samuel und ich – gemeinsam an seinen Wohnort, nach Füssen im Schwangau. Und wieder brauche ich am Abend mein Zelt nicht aufbauen, denn wir können bei einer Bekannten im Haus schlafen. Das Haus am See. Ist schön. Der Pilsener See liegt direkt am Grundstück und ich kann das SUP-Bord benutzen, bevor es das erste Mal Essen vom Benzinkocher gibt. Das geringere Gewicht durch meinen Einkauf in München spüre ich übrigens sehr; 2 kg entsprechen zwar nur 4% weniger Gewicht von Fahrrad und Gepäck, doch auch der Luftwiderstand ist kleiner geworden. Vielleicht ist es der Placebo-Effekt, Hauptsache es wirkt.

Am nächsten Morgen machen wir uns um 8:24 Uhr auf den Weg. Unterwegs treffen wir Leute, die uns wegen des vielen Gepäcks ansprechen und interessiert sind das Ganze weiter online zu verfolgen. Später treffen wir sogar einen begeisterten Youtube-Follower von Samuel und werden den Rest des Weges von ihm und seinen zwei Freundinnen begleitet. Gegen Mittag wechselt unsere Route immer mehr in den ruhigen Wald und verschlungene Dorfstraßen, die sich langsam die Steigungen hoch kringeln. Die Landschaft wird einfach immer schöner und die noch schneebedeckten Berge türmen sich vor uns auf. Höhepunkt des Tages ist das Schloss Neuschwanstein, dass auf einmal zwischen den Bäumen sichtbar wird.

Ein 92km-langer Radreisetag geht schließlich zu Ende. Die ganze Zeit hat mich aber eigentlich die Frage beschäftig, wie ich meine Reise dokumentieren will und ob ich Youtube-Videos machen soll, oder ich es bei dem Blog belasse. Ich werde erstmal meine Konzentration auf den Blog legen, denn das macht mir momentan Spaß und das Video-schneiden ist Neuland und wäre sehr zeitraubend.

Wenn das Gewitter draußen gleich aufhört, geht es heute alleine weiter und endlich auf den Via-Claudia-Augusta über die Alpen.

 

 

Kommentare

  1. Sonja

    Klingt noch total entspannt und voller Neugier was noch so alles kommt. Weiterhin eine gute Fahrt. Tolle Weggefährten und immer ein trockenes Plätzchen um auszuruhen.
    Gruß Sonja

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